VINUM - ein Redakteur, zwei Meinungen: 2010 vs. 2018


Kork ja oder nein?

Thomas Vaterlaus ist ein erfahrener Weinverkoster und man sollte davon ausgehen können, dass er als gelernter Journalist & Chefredakteur der VINUM nur Statements abgibt, welche auf Tatsachen bzw. Fakten aus unabhängigen Quellen basieren.
Eine Selbstverständlichkeit ist auch die Kenntnis von (Verbraucherschutz-)Gesetzen.

Das heißt, dass er (hoffentlich) ausreichend Wissen erlangt hat, welche ihn dazu befähigen, solche weitreichenden Aussagen wie
„Kork hat wieder Zukunft“  (VINUM Sept. 2018) oder Hört endlich auf mit Kork!“ (VINUM April 2010) treffen kann.

Nach dem die Rubrik Klartext in der VINUM nicht als PR- bzw. als Werbung gekennzeichnet ist, gehe ich davon aus, dass er die Sorgfalt hat walten lassen.

Ob er hier Interessen eines Kunden (Korklobby, Amorim, Diam Bouchage) seiner Agentur
mettler vaterlaus gmbh kommunikation für wein & kulinarik oder/und von VINUM bedient, ist nicht ersichtlich.


VINUM Sept. 2018        „Kork hat wieder Zukunft“


Hr. Vaterlaus schrieb in deraktuellen VINUM, dass die Verschlussfrage die Weinszene elektrisiert, er meinte sicherlich, dass das wichtige Thema kontrovers und intensiv diskutiert wird.

VINUM tendierte in dieser Frage eher zu Kork-Alternativen

wie Drehverschluss und Glasstopfen.

Doch dank neuer Methoden hat Kork wieder Zukunft.


 Vor gerade mal 8 Jahren klang es noch ganz anders:   


VINUM April 2010          Hört endlich auf mit Kork!“


„Es wird Zeit für den Wechsel.

Welchen Wert hatte Ihre letzte Flasche, die Sie wegen Korkschmecker ausgiessen mussten? Ein Klacks jedenfalls gegen die 100 Millionen Euro, die weltweit aus ebendiesem Grund jährlich im Ausguss landen. Ein Plädoyer für den Drehverschluss.


Kork ist ein wunderbares Material. Man kann damit sehr schöne, ökologisch hochwertige Fussböden herstellen oder Häuser wirkungsvoll isolieren.
Aber wir wissen längst:

Im Hals einer Weinflasche hat Kork nichts mehr zu suchen.“


Das ist doch eine klare Aussage welche Presskorken und Naturkorken gleichermaßen betrifft!

„Obwohl uns die Korkindustrie seit bald zehn Jahren mit viel Werbegeld eintrichtert, dass die Korkproblematik endgültig gelöst sei, zeigen Untersuchungen von Sommeliers und Weinhändlern, dass noch immer zwischen vier und zwölf Prozent der im

Handel erhältlichen Weine mit Trichloranisol (TCA) kontaminiert sind.“

VINUM bekam von der Korkindustrie über einen langen Zeitraum viel Werbegeld und hatte den Mut Ihre Kunden 2010 so bloßzustellen? Die Basis für die vernichtende Kritik waren Untersuchungen von Sommeliers und Weinhändlern, die angeblich belegen das 4 – 12% aller Weine TCA belastet sind.

Da stelle ich mir als Weinhändler mit 25 Jahren Berufserfahrung die Frage, was waren das für Untersuchungen, und wie kamen die Weinkellner und Händlerkollegen zu diesen Angaben?

         
  

„In unserer heutigen, konsequent auf Qualitätsoptimierung getrimmten Welt ist es nicht mehr tolerierbar, ein solch immenses Schadenvolumen für etwas Weinromantik zu akzeptieren.

Denn hinter dem lustigen «Plopp» des Korkens stehen verdorbene Weine in einem Wert von weltweit über 100 Millionen Euro jährlich. "

2010 waren wir einer Meinung.
Im Vergleich die aktuelle Aussage
des Chefredakteurs
:

Kork ist nachhaltig

Bei Alternativverschlüssen wie Metall oder Glas kommt das Grundmaterial aus der Schwerindustrie, der Kork aber ist die Basis für eine nachhaltige, extensive Landwirtschaft, die rund 100.000 Personen ein Einkommen sichert.
    

   

Die sogenannte Dehesa, die beweideten Eichenhaine in Regionen wie Alentejo, Andalusien oder Extremandura, könnten kaum noch in der heutigen Form bewirtschaftet werden, wenn die Korkbranche  als Korkabnehmer wegfällt.

Kamen die Grundmaterialien für die alternativen Verschlüsse und die Naturkorken im April 2010 wo anders her als heute? Oder hat Hr. Vaterlaus derzeitig die Region besucht und sein Herz verloren?
Was für ein Sinneswandel! In diesem Jahr, 2018, steht die Arbeit der Winzer und die Qualität für den Konsumenten nicht mehr im Vordergrund!
Was zählt ist das
Ökosystem im Südwesten Iberiens.

Zur Erinnerung, 2010 schrieb Hr. Vaterlaus:

Kork ist ein wunderbares Material. Man kann damit sehr schöne, ökologisch hochwertige Fussböden herstellen oder Häuser wirkungsvoll isolieren.
Aber wir wissen längst:
Im Hals einer Weinflasche hat Kork nichts mehr zu suchen."


Hr. Vaterlaus hat etwas mit der Korkindustrie und vielen Önologen & Winzern gemeinsam, ihr Fokus war 2010 & ist auch 2018 allein auf TCA ausgerichtet. In der Fachwelt ist es aber seit langem bekannt, dass nicht TCA allein für die sensorischen Veränderung beim Wein verantwortlich ist.


Die Korkindustrie hat in den letzten Jahren viel unternommen, um
TCA Fehler nicht nur zu verringern,
sondern auch auszuschließen."



Ein Ärgernis für Winzer und Verbraucher ist nicht nur TCA, sondern auch der unterschiedliche Einfluss von Naturkorken auf Wein. Von Flasche zu Flasche gibt es häufig deutliche Schwankungen im Geschmack. Diese Schwankungen haben nichts mit TCA zu tun. Auch die uneinheitliche Sauerstoffzufuhr aus dem Naturkorken, nimmt Einfluss auf den Geschmack bzw. auf die Entwicklung von Weinen.

Es geht beim Thema Verschlüsse nicht um TCA im Speziellen, sondern um die Veränderung von Wein durch die Verpackung (Weinverschlüsse).


VINUM tendierte in dieser Frage eher zu Kork-Alternativen wie Drehverschluss und Glasstopfen. Doch dank neuer Methoden hat Kork wieder Zukunft.“

  
„Eine Alternative ist etwa der Diam-Presskork, bei dem mittels superkritischem CO², flüchtige Elemente wie TCA eliminiert werden.“


Durch das Diam-Verfahren werden flüchtige Elemente wie TCA“ entfernt. Bei den Stoffen, welche bei der Messung identifiziert wurden, handelt es sich ausschließlich um bereits bekannte geruchsaktive Stoffe. Stoffe welche den Geschmack- oder Tastsinn beeinflussen, wurden durch das Messverfahren nicht erfasst!


Diam-Presskorken gibt es bereits seit 2004. Zum Zeitpunkt der Verdammung des Korken durch Hr. Vaterlaus, 2010, gab es den Presskorken bereits 6 Jahre!
Das was heute als „neue Methoden“ hervorgehoben wird, sind olle Kamellen.


Obwohl uns die Korkindustrie seit bald zehn Jahren mit viel Werbegeld eintrichtert, dass die Korkproblematik endgültig gelöst sei, ..“

Es ist kaum zu glauben, dass Diam-Bouchage in der Zeit nach Markteinführung, 2004 – 2010, nicht an VINUM herangetreten ist.

Normalerweise bauchpinselt Diam Bouchage und die Korkindustrie allgemein Önologen und Journalisten. Sie erhalten Einladungen, Flug, Unterkunft, Speis & Trank … werden durch die wunderschönen Korkeichenwälder geführt, die Produktionsstätten werden besichtigt … es gibt Weinverkostungen.




„Natürlich gibt es auch hier einige missionierende Halbwissenschaftler, die Diam-Korken für Stumpfheiten im Gaumen verantwortlich machen.“

Warum die Mehrzahl? Traut er sich nicht mich, als Entdecker der Beeinflussung durch Diam-Presskorken, zu nennen? Hat er Angst davor, dass die Leser sich auf meiner Homepage informieren und entdecken, dass VINUM Werbung für einen nicht sensorisch neutralen Verschluss macht?

Wein & Markt, der Meininger Verlag und auch andere Weinzeitschriften gehen aus wirtschaftlichen Gründen auf die Geschmacksbeeinflussung von Wein, durch Diam-Presskorken, nicht ein. Auch die Angst vor rechtlichen Schritten durch Diam-Bouchage lähmt sie.

Es gibt aber Ausnahmen!
Utz Graafmann (wein-plus.de) und Eckhart Supp (Enos) haben den Mut gehabt, Weinfreunde und Winzer zu informieren.

Aufgrund dessen, dass Weininstitute und die sonstige Weinpresse die Fakten nicht verbreiten wollen, bin ich natürlich gezwungen, die Winzer, Önologen und Verbraucher auf direktem Weg zu informieren.
Im Gegensatz zu obengenannten, bin ich von der Industrie unabhängig und habe auch keine Angst vor ihr! 

Herr Vaterlaus sind Sie sicher, dass es sich dabei um
missionieren handelt?

Der Chefredakteur misst auch bei den Anforderungen im Bezug auf die Quellen mit zweierlei Maß.

2010 reicht eine nicht vorhandene Untersuchung von Weinhändlern und Weinkellnern, um Kork zu verdammen.

2018 fehlen dem Hr, Vaterlaus die studierten Wissenschaftler. Bei dem Test, welcher nach üblichen Standards durchgeführt wurde, nahmen unabhängige anerkannte Wissenschaftler und Weinfachleute teil.
Es stellt sich die Frage, wer ist bei der Aufdeckung von Betrug effektiver, ein von der Industrie abhängiger Wissenschaftler/Journalist oder ein Halbwissenschaftler?

VINUM hat eine gewisse Nähe zum Institut Geisenheim.
Geisenheim bzw. Prof. Jung arbeitet seit Jahren für den Hersteller der Diam-Presskorken, Diam Bouchage und ist nicht unabhängig!

Diam Bouchage hat durch meine Testergebnisse und auch auf Grund dessen, dass Winzer jene nachvollziehen können und bestätigen, Probleme.

Diam Bouchage hat schon versucht die anerkannte Fachfrau Jancis Robinson vor ihren Karren zu spannen. Auch sie musste erkennen, dass Diam Bouchage sie nur für die Verbreitung der Werbeaussagen benutzen wollte. Ist es tatsächlich Zufall, dass VINUM in dieser Phase die Werbesprüche von Diam Bouchage verbreitet und
eine Lobeshymne für Diam-Presskorken anstimmt?


Ich und viele meiner Kollegen sind aber überzeugt, dass der Diam die Korkproblematik nachhaltig entschärft hat. Winzer in Deutschland und der Schweiz benutzen ihn sogar mittlerweile für hochwertige Pinot-Selektionen. Zum Vorteil aller.


Was das TCA-Problem betrifft hat Hr. Vaterlaus recht. Bei Naturkorken und normalen Presskorken gibt es hin und wieder Probleme mit TCA. Bei dem Diam-Presskorken gibt es das TCA-Problem nicht.

Aber …. an dessen Stelle ist eine andersartige Veränderung getreten, welche sich nicht auf die Stumpfheit am Gaumen beschränkt. Bei Diam-Presskorken gibt es nicht ab und zu eine Veränderung von einzelnen Weinflaschen, sondern generell sind alle mit Diam verschlossenen Flaschen betroffen.

Das heißt, bei Naturkork kommen Beeinträchtigungen selten vor (nach ungesicherten Zahlen des Redakteurs 4 -12%). Dagegen werden 100% der Weine in Flaschen, welche mit Diam verschlossen sind, in ihrem eigentlichen Geschmack gravierend verändert.

Anzahl der beeinträchtigten Flaschen:   
(Diam-Produktion 2004 bis 2015 und ab 2016/jährlich)

Diam-Presskorken
→ 7.000 Millionen :
11 Jahre  = 636,36 Millionen  / Jahresschnitt
Naturkork
→ 280 Millionen
(4%) bis 840 Millionen Flaschen (12%)

Diam Produktion / 2016
→ 1.500 Millionen (100%)
Naturkork
→ 60
(4%) – 180 Millionen (12%)

      

Wo jetzt „aller Vorteil“ ist, wird mir nicht klar.

 

Es gibt Gründe dafür, warum Hr. Vaterlaus und die Kollegen die Veränderung nicht wahrnehmen. Konsumenten, Winzer, Önologen und sonstige Weinfachleute müssen offen für neue Erkenntnisse sein und die notwendigen Verfahren anwenden.


2010 erwähnte der Chefredakteur in der VINUM eine Schadenssumme:

"Ein Klacks jedenfalls gegen die 100 Millionen Euro,
die weltweit aus ebendiesem Grund jährlich im Ausguss landen."


Wo kommt diese Zahl her?

Dem kann ich eine seriöse Berechnung der Wertminderung durch Diam Presskorken entgegensetzen:

7.000 Millionen Weinkäufer waren 2004 - 2015 die Leidtragenden.

Sie zahlen alle letztendlich für ein beeinträchtigtes Produkt zu viel Geld.


Der kleine Diam-Presskorken für ca. 15 Cent verursacht eine unvorstellbare Wertminderung.

Die Wertminderung beträgt bei 7.000 Millionen Flaschen Wein
63.000 Millionen (=50% Wertminderung)

bzw.
126.000 Millionen Euro (=100% Wertminderung).

Aktuell ist die Produktion > 1.500 Millionen/Jahr!
V
iel Spaß beim Ausrechnen der aktuellen Wertminderung.

Wein-Journalismus

In den Klartext-Beiträgen wird der VINUM-Chefredakteur Thomas Vaterlaus dem Thema Weinverschlüsse und deren Wichtigkeit für die Weinbranche nicht gerecht.
Es ist wie das Gerede am Stammtisch, ohne ausreichende Kenntnisse bleibt es oberflächlich und polemisch .

Was aber noch schlimmer ist, der VINUM-Chefredakteur macht ein Produkt, welches dem Wein schadet, hoffähig.

Werbeaussagen der (Verschluss-)Industrie werden ungeprüft übernommen.
Hr. Vaterlaus zeigt auf wo seine Wurzeln sind: Lifestyle, Marketing & Werbung.

Er dürfte wissen, dass der Erfolg eines Produktes nicht von der Qualität abhängt, sondern vom Marketing. Somit ist die Darstellung, dass die Anzahl der Winzer, welche Diam-Presskorken nutzen, ein Nachweis für  deren Qualität (sensorische Neutralität)
sei, schlichtweg falsch. Diam Bouchage hat ein gutes Marketing!

Thomas Vaterlaus schreibt auch für DELINAT – dem Onlinehandel für Bioweine.
Der Inhaber Karl Schefer ist seit langem ein Befürworter von Naturkork.
Er hat sehr strenge Richtlinien. Den Winzern ist die Verwendung von Presskorken jeglicher Art, also auch Diam, seit 2016 verboten. Delinat betreibt selber Forschung und unterstützte mich auch bei den Untersuchungen von Diam-Presskorken.


Sorge macht mir ein Klartext-Beitrag von Hr. Vaterlaus, VINUM - Mai 2012:

"Winzer macht Fehler!"


... „Natürlich wissen wir heute, dass so manche sensorische Eigenheit, die die Weine eines bestimmten Winzers, einer besonderen Sorte oder gar eines ganzen Anbaugebietes als «Gout du Terroir» über Jahrzehnte geprägt hat, streng genommen auf kleinen Weinfehlern beruht.


Jetzt, wo all diese mit verbissener Konsequenz ausgemerzt worden sind und die fruchtigen Primäraromen immer stärker dominieren, erkennen wir, dass sich eine grosse Austauschbarkeit breitmacht, die schlimmer ist als Weinfehler. Ein Trauerspiel.


Darum, liebe Winzer, macht doch bitte Fehlerchen! Wir haben all die Johannisbeeren, Pfirsiche und Stachelbeeren im Glas satt. 
Gebt uns wieder etwas mehr Katzenpisse, Goodyear-Gummipneu und Connolly-Leder. Packt wieder etwas mehr flüchtige Säure und Brettanomyces in die Flasche. 


Zudem muss sofort der Petrolton im Riesling unter Artenschutz gestellt werden. Denn schon gibt es ein paar Idioten, die auch diesen vermeintlichen Fehlton ausmerzen möchten..“

Das nennt man jammern auf hohem Niveau. Für mich sind das Aussagen eines satten Menschen, welcher im Wein ständig einen besonderen Kick braucht. Da kommt natürlich solch ein Einfluss von Diam-Presskorken wie gerufen. Ein Wein schmeckt nicht mehr wie das Original.

                 
Mineralik, Disharmonie ….. ein Tick mehr Säure… ein Traum oder doch ein Alptraum?

Warum nicht jedem Winzer eine Chemie-Weinfehler-Baukasten?
Oder besser noch, einen solchen, für den vom normalen Weingeschmack gelangweilten Weinfreak. Jener bekommt dann seine so spannenden Fehlaromen und für alle anderen Weingenießer bleibt der Wein
einwandfrei.

Die Befürchtungen von Hr. Vaterlaus hat sich definitiv nicht bewahrheitet. Nach wie vor gibt es noch fehlerhafte Weine. Winzer und Händler, welche solche Weine noch rumstehen haben, mögen sich doch bei dem Chefredakteur der VINUM
melden. 

Rolf Cordes

Er wird sie euch mit Freuden abkaufen.